Casablanca ~ Teil 2
Aber bevor ich Casablanca und Mohamed am 9ten Juni dann endgültig Tschüss sagte, um per Zug nach Rabat zu entfleuchen, hatte ich die Zeit in Casa ja noch mit der Art Leben zu füllen, das ich so sehr mochte und genoss. Zumal der erste Tag ~ der Mohamed Day ~ noch nicht mal beendet war. Ja, wir waren noch nicht einmal bei der Cathédrale du Sacré Coeur angelangt. Aber dann lag dieses imposante, komplett in Weiß gehaltene Teil mit seinen beiden eleganten hohen Türmen plötzlich vor mir. Ich hatte sie bei meiner Ankunft bereits vom Bus aus entdeckt und es war klar, dass ich die aus der Nähe sehen wollte. Ein schlichtes würdiges und beeindruckendes Bauwerk von 1930 noch mit Art Deco Einschlag, würde ich sagen. Ich kann mich da aber auch täuschen, da ich nicht sooo der Baustilexperte bin. Sie ist am Rande des Parc de la Ligue Arabe gelegen und in direkter Nachbarschaft eines ebenfalls alten bezaubernden Gebäudes, welches bis vor ca. 2 Jahren ein sehr beliebtes Café beinhaltete, das aufgegeben wurde, als sein Besitzer starb, und die Erben es nicht weiterführten. Das erfuhr ich aber erst später von Mohamed, als ich bei unserer Turmbesteigung nachfragte.
Dieser junge Mann ~ der, wie sehr, sehr viele junge Leute in Marokko, trotz Ausbildung keine Arbeit findet ~ schien nicht herumzulungern und aufgegeben zu haben. Und das trotz der vielen, bisher erfolglosen Bewerbungen, von denen er erzählte. Dabei möchte er weder als offizieller Fremdenführer, noch als „feaux guide“ seine Brötchen verdienen, sondern Fußballtrainer werden und trainiert daher z.Z. schon ein- bis zweimal pro Woche Kids und junge Erwachsene, um möglichst bald, evtl. jetzt schon im Juni oder Juli in Istanbul eine Trainerausbildung machen zu können. Türkei deshalb, weil es dort eine entsprechende Schule gibt, und er als Marokkaner und Muslim ohne Sponsor seit dem 11ten September nur für das Land noch problemlos ein Visum bekommt. Außerdem sei die Ausbildung dort günstiger als in Casablanca, wobei er davon ausgeht, in Istanbul eine halbwegs passende Arbeit zu finden. Inchallah. Ich wünsche es ihm und vielleicht erfahre ich ja später mal mehr über seinen Werdegang.
Und wie angekündigt, saß Mustafa, ein bereits etwas älterer Mann, mit seinem kleinen Enkel vor der geschlossenen großen Doppeltür der Kirche und passte auf beides auf. Und wie schon gesagt, kannten sich die beiden M's natürlich, so, wie hier jeder jeden zu kennen scheint. Und nach ein paar Worten durfte ich dann in die Kirche, wobei ich aber versprechen musste, dass ich die Kunstwerke nicht fotografiere.
Eine leere Kirche, ohne die typischen Attribute, wie Altar, Kanzel, Bänke usw. hatte ich auch noch nicht gesehen. Es gab nur die ersten Uecker Exponate und sinnigerweise ein paar Tauben, die in dem großen Raum ihre Flugübungen absolvierten. Vielleicht in Anlehnung an die Symbolik der Taube im katholischen Glauben die auf diese Weise noch bewahrt blieb?
Obwohl ich ja nun alles andere als ein Anhänger der katholischen Kirche bin, dieser Kathedrale würde es richtig gut stehen, wenn sie wieder als Kirche aktiviert würde. Immerhin wird sie seit gut 10 Jahren wenigsten noch für Ausstellungen und ähnliches genutzt und entgeht so dem langsamen Verfall, wobei sie sogar renoviert werden soll, denn der Zahn der Zeit hatte schon sein Übriges getan. Aber in dieser schlichten Askese des riesigen, innen ebenfalls weißen Raumes, wirkte dieser neben seiner Größe nur durch die hohen, schlanken Säulen, die beiden Emporen links und rechts und die relativ wenigen farbigen Glasfenster, die eigentlich keine Fenster im üblichen Sinne sind, sondern mehr wie Glasbausteine die Wände durchbrechen und sie dort, wo die Sonne hinein scheint, zu einem glühenden Leuchten brachten.
Tja, ohne Mohamed hätte ich ~ wie die anderen Touris ~ die Kirche z.Z. nicht betreten dürfen, insofern war es schon mal eine gute Entscheidung, ihn quasi „zugelassen“ zu haben. Anschließend gingen wir noch ein Käffchen schlürfen, wobei wir an einer kleinen absolut friedlichen Gedenk-Demo vorbei kamen, bei der es um den Tod eines jungen Mannes ging, der vor ein paar Tagen bei einer anderen Demo von der Polizei getötet worden war. Wahrscheinlich völlig unbemerkt im weltweiten Geschehen. Auch solche Dinge passieren hier, vielleicht ähnlich wie bei uns damals 1967 die Geschichte mit Benno Ohnesorg in Berlin.
Würde ich Mohameds Angebot annehmen, mir auch weiterhin zur Verfügung zu stehen, um z.B. die große Moschee Hassan II zu besuchen? Ich wusste es in dem Moment und auch am nächsten Tag noch nicht, denn ich wollte erst einmal wieder alleine durch die Gegend streifen. Aber für den Fall des Falles hatte ich Mohameds „Portable“ Nummer gespeichert.
So wollte ich z.B. noch einmal alleine zu der Kirche zu laufen, weil ich durch unser Gequatsche fast sämtliche Außenaufnahmen versäumt hatte. Außerdem hatte ich vor, zugleich auch ein paar Schritte in den Park der arabischen Liga zu tun, der sich ja neben der Sacré Coeur befindet. Oder auch am späten Nachmittag oder frühen Abend per Taxi zur Rue de la Corniche zu knattern, und laut LP Casas angesagte und kilometerlange Strandmeile abgrasen, da sie mir zu Fuß doch etwas zu weit entfernt erschien. Was sich auch bestätigte, wenn ich den Weg des Taxis auf der Karte verfolgte. Aber querfeldein, bzw. meilenweit den sicher kürzeren Weg durch das ganze eher langweilige Straßengewirr zu laufen, danach war mir einfach nicht.
Dieser Ausflug per Taxi war ~ um es kurz auf einen Nenner zu bringen ~ recht „gruselig“, weil ich etwas völlig anderes erwartet hatte. Ich, der meistens ohne Erwartungen an etwas heranzugehen vermag. Aber in meinem Kopf befand sich ein Bild, das in Richtung meilenweiter Sandstrand ging, den ich direkt am Wasser, barfuß rauf und runter laufen konnte. Oder zumindest ein Bild von einer Art Strandpromenade, auf der ich Gleiches tun konnte. Um dann bei Sonnenuntergang ein hübsches kleines Strandlokal zu finden und mir den eben frisch gefangenen und gegrillten Fisch auf der Zunge zergehen zu lassen. Vielleicht endlich mal in Kombination mit einem Glas vom marokkanischen Wein.
Nun, diese schier endlos lange Straße, kurz Corniche genannt, windet sich tatsächlich am gesamten Strand von Casablanca entlang, wenn auch mit gebührendem Abstand. Parallel dazu gab es so etwas wie einen extra breiten Bürgersteig, der aber ebenfalls im gleichen Abstand zum eigentlichen Strand verlief. Und der gesamte Streifen zwischen Bürgersteig und Meer war mehr oder weniger von den Privatstränden der Hotels auf der anderen Straßenseite belegt, die hin und wieder mal ~ dort wo es felsiger zu werden begann ~ von einem Stückchen öffentlich genutztem Strand abgelöst wurden. Natürlich waren diese wenigen Abschnitte entsprechend gut gefüllt ~ incl. dem Pferd eines Geschäftstüchtigen, auf dem willige Kinder zahlungswilliger Eltern in dem Gedränge hin und her geführt wurden ~ während die Hotelstrandabschnitte mangels entsprechend betuchter Masse reichlich Platz boten. Und dort, wo es dann zu felsig für alles wurde, hatten sich Lokale aller Art ~ sämtliche Buger Ketten, Salons du Thé und was es sonst noch so gab ~ dicht an dicht angesiedelt, um ja keinen Quadratmeter ungenutzt zu lassen.
Und dieses Disney World Ensemble wurde im LP vielversprechend als prima Spaziergeh-Meile angepriesen, mit Lokalen zum Kaffee- und Teetrinken, Schnabulieren usw. Einen Platz in irgendeinem der Lokale direkt am Meer habe ich wegen Überfüllung gar nicht erst bekommen. All das sah für mich mehr nach El Arenal auf Mallorca und anderen ähnlich überbauten und überfüllten Stränden aus und ließ somit meinen gedachten Spaziergang eher zu einem Slalomgang durch die Menschenmassen werden. Und so versuchte ich nach ca. 1 Stunde wieder zurück zufahren, weil ich's einfach nur Leid war. Aber selbst das war gar nicht so einfach, weil inzwischen auch andere auf ein Taxi zurück in die Stadt lauerten. Na ja, es war Sonntag, das hatte ich nicht berücksichtigt, bzw. vergessen. Aber wiederholen wollte ich diesen Versuch auch an einem vielleicht weniger überfüllten Wochentag auf gar keinen Fall.
Dafür brachte der nächste Tag den entsprechenden Ausgleich, der gleich morgens mit dem bereits geschilderten Gemeinschaftsfrühstück begann. Ich hatte Mohamed noch am Vorabend angerufen und mich mit ihm für den Moschee Besuch verabredet. 9 Uhr vor meinem Hotel und damit auch vor der Markthalle, dem Ort des Geschehens. Fünf vor 9 sah ich dann Mohamed aufkreuzen, als ich gerade meinen morgendlichen O-Saft an dem Stand vorm Hotel schlürfte. Eine unübliche Pünktlichkeit in Marokko, wie es in der Literatur hieß. Nun denn, mir sollte es recht sein, obwohl ich auch damit, wenn es anders gewesen wäre, kein Problem gehabt hätte. Aber Mohamed erzählte mir dann, dass er die Unpünktlichkeit seiner Landsleute nicht möge und immer pünktlich zu sein versuche.
Und dann machten wir uns frischgefrühstückt auf den Weg zur drittgrößten Moschee der Welt. Zu Fuß und nicht, wie ich gedacht hatte, per Taxi. Auch hier gab es wieder eine LP Empfehlung, nach der man den ca. 30 minütigen Fußmarsch entlängs des stark befahrenen Bvd Moulay Youssef lieber unterlassen solle, weil die Gefahr bestünde, ausgeraubt zu werden. Der Grund sei, dass hier nur wenige Fußgänger unterwegs sind. Man solle also ein Taxi bevorzugen. Daher ja meine Annahme mit dem Taxi. Ich weiß nicht, ob solche Hinweise nun auf irgendwelchen Tatsachen beruhen, aber mir scheinen diese Aussagen so manches, wie auch dieses Mal doch recht weit hergeholt. Vor allem am Tag. Überfallen werden kann ich schließlich an jeder Ecke. Und nach wie vor gilt auch für diese Reise, dass ich mich ~ bis auf das plümerante Gefühl nachts „auf der Reeperbahn um halb eins“ in Essaouria noch nirgends unsicher gefühlt habe. Und auch da nicht wirklich. Muss aber hinzufügen, dass ich in der Dunkelheit natürlich die wirklich dunklen und wilden Ecken meide. Und Mohamed kümmerte sich eh nicht um den großen Boulevard, sondern stiefelte mit mir durch die „Ancienne Medina“ genau in Richtung Hassan Turm, der immer mal irgendwo aufblitzte. Wobei die Richtung hin und wieder wechselte, weil er mir hier einen Markt und dort ein bestimmtes Lokal oder auch Rick's Café zeigen wollte. Was die Zeit, die wir benötigten, natürlich verlängerte, und zwar auf ca. eineinhalb Stunden. Was ihn wiederum dann plötzlich zu der Äußerung veranlasste, dass wir uns jetzt aber langsam sputen müssten, wenn wir den Besichtigungstermin um 11 Uhr noch wahrnehmen wollten. Denn danach fände erst einmal das Mittagsgebet statt, und die nächste Führung erst wieder um 14 Uhr. Also sputeten wir uns und waren dann auch ein paar Minuten vor Beginn der Führung an Ort und Stelle. Und von zu wenig Fußgängern konnte auf dem gesamten Weg keine Rede sein, es wimmelte nur so von ihnen.
Schnell die Tickets gekauft und die Plastiktüte für die Schuhe in Empfang genommen, da wir unsere Schuhe nicht am Eingang ablegen, sondern mitnehmen mussten. Wobei ich es als äußerst angenehm empfand, barfuß übder den kühlen Marmor zu laufen. Dann die sprachlich passende Gruppe gesucht, und los ging's auch schon mit der Führung in einer der beiden Moscheen Marokkos, die von Ungläubigen betreten werden dürfen. Da es hieß, dass es mangels deutschsprachiger Touris keine solche Gruppe geben würde ~ außer mir gab es nur noch ein Ehepaar aus der Schweiz ~ schlossen wir uns der englischen Gruppe an, die von einer Frau geführt wurde. Einer Frau, die ihre Sache so gut machte, dass ich nicht in meinen eigenen Film abdriftete und gut zuhören konnte, zumal ich ihr Englisch gut verstand. Somit wurde es ein recht beeindruckendes einstündiges Erlebnis, das schneller verging, als gedacht. Und wie konnte es anders sein, Mohamed und die Führerin kannten sich. Vor einer früheren Führung, von der er mir unterwegs erzählt hatte, weil er sie auf etwas aufmerksam gemacht hatte, das so, wie sie es den Touris erzählte, nicht ganz stimmte.
Und zwar ging es um die Aussage, dass die Gläubigen sich überall auf der westlichen Halbkugel beim Gebet nach Osten, bzw. in Richtung Mekka ausrichten, verneigen und beten und auf der anderen Hälfte eben nach Westen ebenfalls in Richtung Mekka. Und in Mekka ~ so ihre Aussage ~ mache man das genauso. Und dem hatte er dann anschließend widersprochen. Denn dort verneigt man sich, egal an welcher Stelle der Moschee man sich auch befindet, immer in Richtung Zentrum, denn Mekka mit seinem schwarzen Kubus, ist nun mal die Mitte. Und an diese Offenbarung wurde nun angeknüpft und so quasselten die beiden immer dann recht drauf los, wenn die Gruppe sich selbst überlassen wurde, um z.B. fotografieren oder sich das ein oder andere näher anschauen zu können oder wenn es zum nächsten Punkt weiter ging. Tja, und diese dreiste Unterhaltung schien den älteren Herrn in der englischen Fraktion mächtig zu stören. Denn er machte sie nach einer Weile darauf aufmerksam, dass sie die Führerin unserer Gruppe sei, man für diese Führung bezahlt habe und sie sich dieser Aufgabe zu widmen habe und nicht dem privaten Gespräch mit einem Einheimischen. Dabei hatte es der Typ nicht einmal für nötig gehalten, z.B. auch mich zu fragen, ob es mich gleichermaßen störte. Tja, da gibt es also auch im „sophisticated“ United Kingdom jemanden, von dem ich viel eher angenommen hätte, dass er aus unserem Land stammt. Vielleicht hatte er ja deutsche Ahnen?
Über was dieser Mann sich in Marokko wohl noch alles geärgert haben mag? Wahrscheinlich über 'ne ganze Menge. Vermute ich einfach mal so.
25.000 Gläubige haben Platz in diesem Riesenbau mit dem 210 m hohen Minarett ~ dem höchsten in Marokko ~ und draußen auf den Plätzen können sich weitere 80.000 versammeln. Und alles ist nur vom Feinsten. Die Milliarden Dollar Summe, die offiziell für das Denkmal Hassans ~ dem damaligen König und Vater vom jetzigen König Mohamed V verbraten worden sei ~ bekannt gegeben wurde, sei mächtig getürkt, lt. unserer Führerin. Niemand unter den normalen Sterblichen wisse den genauen Betrag. Das Meiste der verwendeten Materialien stammt sogar aus dem eigenen Land und wurde von Tausenden von Handwerkern kunstvoll verarbeitet. Nur ein kleiner Teil des Marmors, weil es diese Art in Marokko nicht gibt, und die Lampen aus Murano Glas, stammen aus Italien. Die großen, gemusterten Türen sind aus Titan, um der salzhaltigen Luft zu widerstehen, was sie wohl sichtbar auch tun. Denn an den Lampen aus Bronze, die z.T. auch im Außenbereich hängen, kann man sehr gut erkennen, was die Seeluft mit dem unedleren Metall macht. Draußen sehen sie total vergraut aus, während sie drinnen noch den typischen Bronzeschimmer haben.
Bei besonderen Gelegenheiten kann sogar das riesige Dach hydraulisch geöffnet werden. Was ich gerne mal erleben würde, zumal ich so etwas bisher nur ein einziges Mal in viel kleinerer Größenordnung während meines Studiums in einem Tanzschuppen in Holland gesehen habe. Und das war schon beeindruckend genug. Leider wollte unsere Führerin die Stelle nicht verraten, an der sich der Betätigungsknopf befindet und zu den besonderen Gelegenheiten kommt unsereins in diese heiligen Hallen ja nun mal nicht hinein. Somit muss ich entweder konvertieren oder auf das grandiose Schauspiel verzichten. Aber bei aller Begeisterung für dieses beeindruckende Teil ~ in das der Petersdom oder Notre Dame locker hinein passen würde ~ wird es wohl eher auf den Verzicht hinauslaufen. Die Moschee wurde übrigens damals auf einem Felsvorsprung ins Meer gebaut, so dass die Gläubigen aufs Meer, und damit den Atlantik schauen. Dem Koran Spruch folgend, nachdem Gottes Thron über dem Wasser errichtet wurde. Ach ja, und damit die Gläubigen im marokkanischen Winter keine kalten Füße bekommen, gibt es sogar eine Fußboden Heizung.
Wie dem auch sei, ich konnte mir zum Schluss, bei der Größe dieser Anlage, als wir uns dann wieder draußen über den riesigen Platz bewegten, die Frage nicht verkneifen, was hier denn wohl los sein würde, wenn es nicht nur ein bisschen windet, sondern mal so richtig pustet, von Windstärke 4 an aufwärts. Da würde doch ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit außer im Kriechentief (Bundeswehrausdruck für bodennahe Bewegungen), niemand mehr bis zum Eingang der Moschee gelangen können. Allenfalls vielleicht auch noch die Kitesurfer. Würde eine angesetzte Veranstaltung dann ausfallen? Leider war mir diese interessante Frage nicht während der Führung eingefallen, und Mohamed blieb mir die Antwort schuldig, während wir uns noch einmal in Richtung Sacré Coeur auf den Weg machten, da er die grandiose Idee hatte, mich zu fragen, was ich von einer Turmbesteigung hielt, um Casa von oben zu sehen. Und so eine Frage braucht man mir ja kein zweites Mal zu stellen, auch wenn dafür ein kleiner Obolus in Mustafas Hände zu erfolgen hatte. Nur hatte Mustafa dieses Mal strickte Anweisung, wirklich niemanden mehr in die Kirche zu lassen, zumal der Künstler drinnen arbeitete. Aber Dank Mohamed durften wir uns dann doch in einem unbeobachteten Moment am Geschehen vorbei schleichen und auf den Turm klettern, 290 Stufen hoch, voller Taubenschiet + etlicher junger Tauben, die sich ängstlich in die Ecke drückten, wenn ich mich ihnen näherte. Ist schon blöd, wenn man noch nicht einfach so wegfliegen kann und nicht weiß, ob einem dieses riesige Ungetüm nicht den Hals umdreht und ein wohlschmeckendes Taubensüppchen aus einem kocht. Allerdings würde lt. Mohamed, dieser Schiet normalerweise regelmäßig entfernt, wegen der Touris, die wie ich, ebenfalls auf den Turm wollten. Nur sei die Frau, die das übernommen hatte, seit einiger Zeit ausgefallen und es habe sich noch kein Ersatz gefunden. Und seitdem stapelt sich der Taubendreck wieder langsam und hat so eine Chance, zu Tauben-Guano zu werden.
Nun denn, trotz Taubenschiet konnten wir also zu diesem Zeitpunkt in verschiedenen Etappen bis ganz nach oben klettern, zwischendurch auf halber Höhe auf einem Quergang, der die beiden Türme verbindet, Pause machen und sogar auf dem Randbereich der riesigen Gewölbe herumlaufen. Was mir allerdings nicht sooo sehr behagte, da es keine Brüstung o.ä. gibt, und ich mich heutzutage erst nach einer Eingewöhnungsphase wieder frei in solchen Höhen ohne Geländer o.ä. gut bewegen kann. Aber da oben sollte man sich das Turmzimmer fertig machen, um den Glöckner zu spielen, auch wenn es längst keine Glocken und die dazugehörige Schöne mehr gibt. Und auf den Buckel würde ich eh verzichten. Aber um immer mal wieder das „dolce far niente“ hoch über Casas Dächern zu zelebrieren, wäre dieser Platz genau richtig. Und das sogar ganz ohne Glockengeläut.
Dummerweise machten die Batterien meiner Kamera an diesem Tag wieder einmal schneller schlapp, als sie es eigentlich gedurft hätten. Und selbst die Reserve, die ich ja immer in der Tasche habe, seit der Panne mit den leeren Akkus damals in China, als ich mit Kevin, meinem chinesischen Travelmate unterwegs war, gab nach kurzer Zeit den Geist auf. So dass ärgerlicherweise für einen ausführlichen Streifzug um die Moschee herum, wie auch schon drinnen und für die Kirchturm Besteigung nicht genügend Kapazitäten übrigblieben. Prost Mahlzeit. Mit Pausen zwischen den Auslöserbetätigungen, waren wenigstens noch ein paar Einzelfotos drin. Und das auch nur nach gutem Zureden. Entweder hat die Elektronik der Kamera doch 'ne Macke oder ich hatte den Bogen für das richtige Aufladen mit dem neuen Ladegerät immer noch nicht raus. Wobei es dem hilfsbereiten Herrn in dem kleinen Fotoladen am Bvd de Paris, an dem Mohamed ja wohnt, und zu dem er mich geschleppt hatte, es ähnlich zu gehen schien. Denn auch die Batterien, die er im Schnelldurchgang geladen hatte, hielten nicht so lange, wie sie es eigentlich sollten. Verflixte Kiste aber auch, dass mein Ladegerät den Geist in Marrakesch aufgegeben hatte. Aber solange es dabei bleibt ...