Alice Springs to Darwin

Etappe 69 ~ von So. 05.07. bis Sa. 25.07.2009

Unsere Quartiere am Uluru und Kings Canyon hatten wir im Voraus gebucht, so dass wir als Übernahmezeitpunkt für unser Auto 11 Uhr wählten, statt 9 Uhr. Auf diese Weise konnten wir später losjuckeln und brauchten am Abgabetag auch erst um 11 wieder auf dem Hof zu sein, was uns all zu frühes Aufstehen bei der Rückfahrt ersparen würde. Dann spendete jeder von uns seine 100 Dollar der gemeinsamen Reisekasse, aus der unsere Verpflegung + Sprit bezahlt werden sollte. Und um sie gleich wieder zu erleichtern, ging es zum ersten Großeinkauf zu Woolworth. 20 Liter Trinkwasser, Nudeln, Reis, Gemüse, Obst, Brot, Marmelade, Wurst, Kekse, Taccos, Naschereien ~ und was jeder so brauchte ~ wurden gebunkert, um nicht den höheren Preisen an den touristischen Highlights ausgeliefert zu sein. Und dann ging es eine Stunde später wirklich auf den fast 500 Kilometer weiten Ritt zum Uluru, bzw. zum Ayers Rock Resort in Yulara, das dem riesigen Monolithen vorgelagert ist. Wobei Inselberg eher stimmt, da es kein wirklicher Monolith ist, sondern verklumptes Gestein, dass sich vor Äonen in einer Senke ablagerte und später durch Erdbewegungen teilweise wieder ans Tageslicht kam. Wobei das Meiste immer noch unterirdisch liegt und der überirdische Teil langsam vor sich hin erodiert und weniger wird.

Ca. 100 Kilometer vorher zeigte sich zuerst der Mount Conner, den viele im ersten Moment bereits für den Uluru halten. Aber zu früh gefreut, von dort aus dauert es noch eine ganze Weile, bis man wirklich den ersten Blick auf den Berg hat. Das Einchecken, + anschließendem Versuch, den ersten Sonnenuntergang am Uluru von einem der Beobachtungshügel im Resort zu erhaschen, waren dann unsere ersten Aktivitäten vor Ort, so dass erst einmal alles andere noch warten musste. Leider waren wir etwas zu spät dran, denn die große Himmelsleuchte hatte sich beeilt und alles lag schon komplett im Dunkeln, noch bevor wir den nächst gelegenen Hügel erreichten. Und damit war klar, dass wir als erstes einen Sonnenaufgang sehen würden, und dass der Sonnenuntergang erst am nächsten Abend fällig sein würde. Und zu beidem würden wir uns dann auch in die unmittelbare Nähe des Uluru ~ dem Sitz der Ahnen ~ begeben, wozu wir allerdings das 3-Tage-Ticket für den Nationalpark benötigten, dass es seit Jahren für unveränderte 25 Dollar pro Nase erst noch zu erwerben galt. Aber damit konnten wir uns, wann wir wollten und so oft wir es wollten, überall im gesamten National Park frei bewegen.

Vor dem Ticketkauf wollten jedoch erst unsere knurrenden Mägen beruhigt werden. Und somit war Backpackers Einheitsessen angesagt, Nudeln mit Soße. Und um das Ganze wenigstens etwas zu verfeinern, ergänzten wir unser Dinner mit in Butter angebratenen Zwiebeln, Wurststücken + Gemüse aus unserem Einkauf. Womit wir bewiesen, dass viele Köche den Brei durchaus nicht verderben, sondern sehr wohlschmeckend gestalten können. Und das sollte sich über die gesamte Zeit hinweg jeden Tag aufs Neue zeigen, da wir immer gemeinsam brutzelten. Hongkong Ideen wurden kombiniert mit holländischen und deutschen. Und jedes Mal schmeckte es besser. Nur an einem Abend gönnten wir uns ein Barbeque, das aus Känguru-, Emu- und Krokodilfleisch, sowie Bratwürstchen + diversen Beilagen bestand. Es belastete unsere Reisekasse mit knapp 30 Dollar pro Nase zwar etwas stärker, aber dafür war es auch mal etwas anderes / besonderes. Ich hatte für mich zwar zuvor schon einige Male Känguru zubereitet, aber noch nicht gegrillt. Wobei ich in Adelaide auch geräuchertes von den beiden Tieren mit K ~ Känguru und Krokodil ~ gegessen hatte. Beides eine kleine Köstlichkeit, wenn man Fleisch mag.

Aber zurück zum Uluru Sonnenaufgang, für den wir dann am nächsten Morgen entsprechend früh aus den Federn krochen und uns noch im Dunkeln auf den Weg machten. Nach der Ticket Kontrolle am Eingang des Nationalparks hieß es, folgt dem Wagen an der Spitze der bereits wartenden Fahrzeuge. Und obwohl wir uns bereits dicht an dem großen Gesteinsbrocken befanden, war natürlich in der Finsternis noch nichts von ihm zu sehen. Das änderte sich auch erst ganz langsam, als uns das Ranger Fahrzeug an den entsprechenden Platz gebracht hatte. Denn dort began dann der Sonnen Countdown von unten nach oben, der das Heiligtum der Aborigines ganz langsam in Szene setzte. Zuerst nur schemenhaft in einem dunklen Braunrot, mit der Tendenz, den Braunanteil dann langsam immer weiter herauszunehmen, bis der Fels im klassischen Postkarten-Outback-Rot glühte und leuchte. Teifi, teifi, DAS hatte schon etwas von der ganz besonderen Art. Allerdings verblasste dieses Rot dann langsam wieder in Richtung Braunrot, je höher die Sonne stieg und damit verkrümelten sich auch fast alle anderen Neugierigen, sie hatten ~ genau wie wir ~ den ersten Teil des Ayers Rock Pflichtprograms abgehakt. Wir fuhren noch zu dem höchst interessanten Kulturzentrum, direkt am Fuß des Berges, an und in dem das Fotografieren mal wieder gegen Strafe verboten war. Natürlich habe ich das englische Verbotsschild erst einmal in meinem Sinne ausgelegt und draußen fotografiert, bis mich ein Ranger dabei erwischte und mich aufforderte, meine Fotos zu löschen. Gott sei Dank glaubte er meinen Beteuerungen, dass ich auf Grund meiner mangelnden Englisch Kenntnisse angenommen hätte, dass nur das Fotografieren in den Räumen verboten sei, und dass ich gerade est anfangen wollte, draußen ein paar Details abzulichten, so dass ich das Zentrum wenigsten mit einer kleinen Ausbeute verließ. Warum meinen die Leute bloß immer, dass sie auf ihren scheiß copy rights bestehen müssten, und einem somit ein paar Beweisfotos verweigern, zumal es ja auch anders geht, wie ich unterwegs einige Male erleben durfte.

Auf der einen Seite vermag ich diese Fotografierverbote zwar nachzuvollziehen, aber auf der anderen reizen sie mich auch immer wieder, sie irgendwie zu umgehen. Wie auch auf unserem 10 Kilometer langen Rundmarsch um den Uluru, den wir von diesem Zentrum aus starteten. Hier waren es die als heilige Stätten ausgewiesenen Gebiete am Uluru, was ich noch am ehesten akzeptieren konnte und auch akzeptierte. Bis auf ein paar Fotos, die quasi aus Versehen entstanden, weil ich die Hinweisschilder nicht rechtzeitig genug sah und mit meinem Super-Zoom aus der Entfernung genau das auf dem Speicherchip hatte, was dort an und für sich nicht sein durfte. Zuwiderhandlungen konnten bis 5000 Euro teuer sein, stand sogar in Deutsch auf den Schildern. Da kam ich doch glatt ins Grübeln, ob ich diese Fotos nicht wieder löschen sollte. Habe ich aber nicht, zumal ich immer wieder Leute sah, die direkt neben so einem Verbotsschild standen und fleißig fotografierten. Außerdem stellten wir bei unserem Rundgang fest, dass auch der Bereich, zu dem uns die Ranger morgens zum Sonnenaufgang geführt hatten, unter dieses Verbot viel. Nur dass man diese Schilder im Dunkeln und auch später im Hellen aus der Entfernung nicht sehen konnten. Wo bleibt da die verdammte Logik hinter den Verboten?

Am Start hatten wir das vermeintliche Glück, dass gerade eine von einem Ranger geführte Tour begann, der wir uns auch anschlossen, weil lt. Beschreibung interessante Dinge vermittelt werden sollten. Z.B. auch über Flora und Fauna und natürlich über die besagten heiligen Plätze. Ich war der erste, der das Handtuch schmiss und sich wieder ausklinkte, weil ich wenig bis gar nichts verstand. Aber auch unseren Hongkong Ladies mit ihren Englischkenntnissen und PJ mit seinem, durch längeren Aufenthalt im englischsprachigen Ausland trainierten Sprachvermögen gaben nach und nach auf. Der Typ sabbelte auch für sie einfach zu schnell und hatte Redewendungen drauf, die nur ein Einheimischer verstand.

PJ hatte sich erst am Startpunkt entschlossen, auf seine Klettertour auf den heiligen Berg zu verzichten, die ja nach wie vor möglich ist. Aber nachdem der Uluru wieder in den Besitz der Aborigines über geben wurde, machen sie massiv Gegenwerbung, auch wenn sie das Klettern bisher nicht verboten haben. Sie bitten auf Hinweisschildern darum und vergleichen die Kletterpartie mit einer Klettertour auf dem Altar in einer der großen Kathedralen in Europa und fragen, wie das wohl dort bei den Gläubigen ankäme. Außerdem schildern sie drastisch, dass es bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder zu bösen Verletzungen und gar Todesfällen gekommen ist. Was alles aber ganze Horden nicht davon abhielt, sich an den Drahtseilen hoch zu hangeln. Und das sah teilweise recht lustig aus, weil der Auf- wie der Abstieg vor allem untrainierten schon einiges abverlangt. Und allgemein sah es von unten so aus, als kröchen dicke Menschenkäfer auf allen vieren den Berg hinauf. Für mich war von Anfang an klar, dass ich weder hochkrabbeln noch hochklettern, aber den Rundgang machen wollte. Und PJ erfuhr erst hier durch meine Erzählungen und die Schilder davon und ließ es dann nach einiger Überlegung ebenfalls sein. Und das, obwohl er in der Halle klettert und den Uluru Aufstieg gerne als Trophäe mitgenommen hätte. Fand ich gut. So, wie ich auch den ganzen langen Marsch um den Uluru trotz der nur winterlichen Hitze gut fand, auch wenn wir bei unserer Langsamkeit deutlich länger brauchten, als angegeben. Aber 4 Kameras wollten nun mal individuell gefüttert werden. Im Sommer, bei 45, 50 oder gar 55 Grad stelle ich mir das ganze Unterfangen allerdings nicht sehr erbaulich vor. Die erlebten 48 Grad in Melbourne waren mir noch in bester Erinnerung.

Was mich ziemlich verwunderte, war die Tatsache, dass um den Uluru herum ~ in dem ansonsten trockenen Outback ~ immer wieder grüne Vegetationsinseln auftauchten, in denen es teilweise sogar kleine Teiche mit Schwimmverbotsschildern gab. Leider war nicht erklärt, dass das Schwimmverbot hauptsächlich deshalb galt, weil auch diese Wasserstellen als heilig gelten. Wobei ich mal annehme, dass in der Brühe eh niemand auf die Idee kommen würde schwimmen zu wollen. Aber wer weiß, bei 45 Grad im Schatten oder auch mehr, mag das anders aussehen, da ist u.U. jede Pfütze passend.

Ebenfalls verwunderlich war, dass wir kaum Tiere ausmachen konnten. Es reichte gerade mal für eine große dicke, wenn auch interessant aussehende Larve, bei deren Anblick wir uns fragten, wie das Endprodukt, der Schmetterling wohl aussehen würde, zu dem sie sich eines Tages entwickeln würde, wenn sie nicht auf dem Speisezettel eines Vogels o.ä. landete. Sie hing ca. 5 oder 6 cm lang dekorativ schwarz-weiß gescheckt im Geäst eines Gebüschs und wartete auf ihren großen Moment. Und dann entdeckten wir noch einen Dingo, der einsam durch die Gegend strich. Allerdings sah das Tier eher wie ein Hund aus, da er nicht den klassischen Sandton der Dingos hatte, wie ich es von den Bildern kannte. Er war getigert wie ein Boxer, hatte dabei aber die typische Figur eines Dingos. Und er war äußerst wachsam und auf der Hut, auch wenn er sich bis auf wenige Schritte näherte. Erst später, als ich Fotos einer Ranger Station fand, auf der man sich um Dingos kümmerte, sah ich sogar schwarze Dingos und vermute mal, dass das „Fehltritte“ zwischen Hofhunden und Dingos waren, wie wahrscheinlich auch unser getigerter.

Abends sind wir dann zu einem der Plätze gefahren, an dem der Sonnenuntergang besonders gut zu beobachten war. Natürlich haben wir uns diesen Platz mit zig andern Sonnenuntergangsfreaks teilen müssen. Da aber nicht Hauptsaison war, hielt es sich in Grenzen. Dieses berühmte leuchtende Rot, das er ja auch morgens für eine kurze Zeit in der passenden Sonneneinstrahlung hatte, war schon beeindruckend. Außerdem hatten wir Vollmond, der satt über dem Uluru hing. Das wurde dann unsere „Full-Moon-Story“. Und in der 80igfach Stellung des Digital Zooms bekam ich dann diesen Mond formatfüllend auf den Chip, auch wenn er so körniger wurde, als nur mit dem 20er. Aber manchmal heiligt der Zweck die Mittel. Oder war es umgekehrt?

Wie dem auch sei, unsere „F-M-S“ erstreckte sich natürlich auch auf die Olgas, bzw. Kata Tjuta in der Sprache der Aborigines. Die ich eh auf der ganzen Linie beeindruckender fand als den Uluru. Hier erlebten wir ja auch ~ wie bereits erwähnt ~ unseren spektakulärsten Sonnenaufgang. Aber auch die Energie dieses Massivs war anders, weicher, und mir gefiel die Vielfalt der Formationen, denn hier wechselte das Bild auf unseren „walks“ durch das „Valley of the Winds“ und die „Walpa George“ andauernd und es ging manchmal ganz schön heftig auf und ab, weil die Holperpfade den Formationen folgten und nicht außen herum führten. An einigen Stellen gab es sogar gut schmeckendes Trinkwasser aus großen Tanks und die Empfehlungen, dass man sich nie mit zu wenig Wasser auf den Weg machen sollte. An diesen Tanks trafen sich auch diverse Vogelsorten, um von dem Wasser zu profitieren, das beim Füllen der Flaschen daneben lief. Kleine Zwergfinken, die ich bisher nur in Volieren gesehen hatte, Vögel mit schnieken Punker Frisuren und andere tauchten hier auf, im Gegensatz zum Uluru, wo wir ja kaum Tiere entdeckt hatten. Sogar für einen Adler reichte es, den ich aus den Augenwinkeln zu entdecken meinte, als er sich oben auf einem der kugeligen Olgas nieder ließ. Er war zwar nur als kleine Warze wahrnehmbar, aber mein 80-er Digital Zoom bestätigte, dass ich mich nicht getäuscht hatte.

Hach, und ich traf sogar Erik wieder, einen Koreaner, der in Adelaide zusammen mit Juen, dem Belgier und mir überlegt hatte, ob wir nicht gemeinsam ein Auto mieten sollten. Die Welt erwies sich für mich ein weiteres Mal als klein. So wie sie sich auch für meine drei später am Kings Canyon als klein erwies, als sie einen Israeli und einen Engländer wieder trafen, mit dem sie zuvor in Cairns eine zeitlang zusammen gewesen waren. Dieser Canyon mit seinen teilweise 100 Meter hohen roten, in der Abendsonne rotgolden leuchtenden Wänden, war unser nächstes Ziel auf unserem Trip, das natürlich ~ wie in Australien üblich ~ eine ganze Ecke von unserem momentanen Standort entfernt lag, so dass wir es erst nach stundenlanger Fahrt am Nachmittag erreichten. Wobei die Zeit aber noch reichte, um einen ersten Gang in der bewaldeten Sohle des Canyons zu machen und diese rotgolden leuchtenden Felswände auf uns wirken zu lassen. Es hatte wirklich den Eindruck, als hätte jemand die roten Felsen ganz dünn vergoldet, so dass das Rot noch überall durch schimmerte. Den Aufstieg und die Umrundung des Canyons hatten wir uns für den nächsten Morgen / Tag vorgenommen. Wohlwissend, dass es unser längster und wahrscheinlich anstrengendster Trip werden würde. Was sich in gewisser Weise auch bestätigte, denn es gab ganz schön was zu kraxeln. Und in der winterlichen Hitze, die sich zwischen und auf den Felsen von Stunde zu Stunde verstärkte, zog sich der Weg ~ oft genug ohne jeden Schatten ~ scheinbar wie ein Gummiband immer länger und länger, zumal es hier keine Wassertanks gab, und jeder von uns im Grunde genommen dann doch zu wenig Wasser mit genommen hatte. Dank Einteilung reichte es so gerade und den letzten Schluck aus meiner Flasche nahm ich, kurz bevor wir unseren Ausgangspunkt wieder erreicht hatten. Na ja, es war zwar noch nicht brenzlig, machte aber deutlich, wie wichtig dieser Satz war, immer genügend Wasser dabei zu haben.

Tja, und damit hatten wir dann auch schon die Endrunde unseres wunderschönen Trips erreicht, denn am anderen Morgen sollte es früh um 4 Uhr dreißig zurück nach Alice Springs gehen, wo wir ja um 11 Uhr unser Auto wieder abzuliefern hatten. Über 500 Kilometer lagen vor uns, da der kürzere Weg über eine unbefestigte Straße für uns mit unserem Normal-Auto nicht machbar war, wie man uns ziemlich drastisch prophezeite. Im Lonely Planet wurde zwar mal wieder das Gegenteil behauptet, dass es bei trockenem Wetter mit jedem Auto machbar sei, aber wir sind dann doch lieber dem Rat der Einheimischen gefolgt, die uns dringend davor warnten, mit unserem schönen Toyota selbst bei diesem guten und trockenen Wetter darauf zu verzichten.

Leider verpennte PJ an diesem Aufbruch-Morgen. Wahrscheinlich mit Absicht, da er sich gegen die von uns dreien gewünschte frühe Abfahrtzeit gesträubt hatte. Und da niemand von uns wusste, wo er sein Zelt aufgeschlagen hatte, und wir ihn nicht finden konnten, kamen wir erst kurz nach 5 los, was dann ein gemütliches Frühstück unterwegs verhinderte, da die Zeit zur Bewältigung der 500 Kilometer etwas knapp wurde. Was wiederum zur Folge hatte, dass PJ, wenn er fuhr ~ auf Grund unserer Verärgerung, die wir ihn deutlich spüren ließen ~ unseren Toyota mit ca. 160 Km/h über die wellige Fahrbahn bewegte, um die verpennte Zeit wenigstens ein wenig auszubügeln. Wohl wissend, dass er mit einer saftigen Geldstrafe von mind. 750 Dollar zu rechnen hätte, im Falle des Erwischtwerdens. Aber nur so war es möglich, dass wir 2 Minuten vor 11 den Hof unseres Autovermieters erreichten.

Und damit war unser gemeinsamer „wonderland trip“ dann tatsächlich zu Ende. Meiner bisher schönsten Zeit in Australien ~ die einzige, in der alles genau so lief, wie ich es mir wünschte. Wir hatten uns in Alice aber noch ins gleiche Hostel, „Annie's Place“ einquartiert, um noch einmal unsere Kochkünste auszuprobieren und ein wenig Zeit miteinander zu verbringen, bevor jeder seine Reise für sich fortsetzte. Die beiden Mädchen wollten nach Adelaide ~ wo sie sich dann ebenfalls trennen würden ~ ich wollte nach Darwin, Broome und Perth, und PJ hatte einen Volunteer Job bei den Rangers im Kings Canyon bekommen. Er musste also noch einmal zurück an den Ort, den wir gerade erst verlassen hatten. Und für mich trat damit wieder der beschwerliche Alltag in Kraft, in dem sich nichts gestaltete und in dem mir weitere Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden. Alles wie gehabt.

Die Lift-Kontakte erwiesen sich erneut als unbefriedigend, weil sie erst gar nicht zustande kamen oder Verabredungen und Absprachen nicht eingehalten wurden. Oder sich auf seltsame Weise ~ wie im Falle von Mathew, einem Engländer, den ich bereits in Adelaide getroffen hatte, und der im Moment mit einer Französin reiste ~ nicht realisieren ließen. Wir wollten gemeinsam ein Auto mieten, um nach Darwin zu fahren und unterwegs alles mitnehmen, was am Stuart Highway lag, incl. der Devil Marbles, die allerdings einen kleinen Umweg von einigen hundert Kilometern nach rechts Richtung Mt Isa bedingt hätten. Die beiden wollten sich schon mal um ein passendes Gefährt kümmern, während ich noch ein paar andere Dinge zu erledigen hatte. Ich lehnte mich innerlich zufrieden zurück, wähnte alles bereits in trockenen Tüchern und dachte so bei mich bei: „Na siehste, es geht doch, du musst nur die richtigen Leute ansprechen!“

Pustekuchen war's, es ging auch in diesem Fall nichts, denn sie kamen mit einer Entscheidung wieder, die ich bis heute nicht verstanden habe. Mathew verklickerte mir, dass ihnen der Preis ~ etwas über 640 Dollar für den Mietwagen ~ zu hoch war, und dass nun jeder von ihnen seine eigene mehrtägige Tour mit dem Bus nach Darwin gebucht hätte. Seine Tour kostete etwas über 700 und ihre sogar etwas mehr als 800 Dollar. Und da ich es ja mit Mathe und mit Zahlen nicht so habe, verstand ich nicht, wieso diese beiden Preise ~ vor allem in der Summe ~ nun günstiger sein sollten, als das Auto, dessen Kosten durch drei geteilt worden wären. Vielleicht ist das ja höhere Mathematik??? Aber wie dem auch sei, das Ende vom Lied war, dass ich wieder einmal den Greyhound nehmen musste, obwohl ich dieses Mal gerne den Gahn, den berühmten Zug nach Darwin genommen hätte. Nur dass er leider für den Mittwoch, den ich als Abreisetag gewählt hatte, bereits ausgebucht war, und ich nicht mehr bis zum nächsten Montag warten wollte. Meine Zeit in Alice war einfach abgelaufen, ich wollte weiter.

Tja, und damit war ich dann wieder in der Stadt, in der es mit meinen ganz speziellen und persönlichen Australien-Erlebnissen und Schwierigkeiten losging. Und auch jetzt im Juli war es heiß und zusätzlich schwül, nur dass ich dieses Mal nicht gut vorbereitet aus vergleichbar temperierten Ländern kam, sondern aus angenehmen 26 bis 28 trockenen Graden, mit kühlen Nächten. Hier bekam die Klimaanlage wegen der mehr als 30 Grad ~ die auch nachts kaum abkühlten ~ wieder ihre Bedeutung und auch an dauerfeuchte Achseln + schweißnasse Haut musste ich mich erneut gewöhnen. Wie auch an die Preise, die in Darwin, wie es hieß, die teuersten in ganz Australien seien.

Woran ich mich nach wie vor aber nicht gewöhnen konnte und wollte, war die altbekannte Tatsache, dass nichts leicht und wie von selber lief. Und so piekste ich auch hier meine Lift-Suchmeldungen an alle Hostel Messageboards und hakte bei jedem Liftangebot nach, sofern es denn in meine Wunschrichtung Broome / Westküste / Perth ging. Und ich schaute jeden Morgen bei den „relocation car offers“ rein. Noch war ich nämlich nicht gewillt aufzugeben. Selbst die Greyhound Tour mit der Option, unterwegs an den interessanten Stellen aussteigen und dort ein paar Tage bleiben und dann einen der nächsten Busse nehmen zu können, zog ich ins Kalkül. Allerdings nur so lange, bis ich den Preis erfuhr, der trotz YHA Discount immer noch 820 Dollar betrug. Umgerechnet zu dem Zeitpunkt deutlich mehr als 600 Euro.

Aber dann fand ich das Angebot im Internet, einen Campervan für 1 Dollar pro Tag + 500 Dollar Spritgeld innerhalb 12 oder 14 Tagen von Darwin nach Perth zu bringen. Und da das Teil 2 Betten hatte und alles, was man sonst noch so für solch einen Trip braucht, musste ich nur noch einen Interessenten finden, der mitkommen wollte. Bei dem geringen Angebot, bzw. der geringen Nachfrage nicht einfach, da scheinbar alles nur an die Ostküste wollte. Aber ich hatte Glück, denn es meldete sich eine 20 Jahre junge Deutsche, die sehr an dieser Fahrt interessiert war, bis wir uns in persona trafen. Bei diesem Treffen machte sie mir klar, dass sie Schiss hätte, mit mir allein diese Fahrt zu machen, da sie befürchtete, dass ich irgendwo im Nirgendwo die Situation schamlos ausnutzen und über sie herfallen könnte. Bingo, voll der Griff ins Klo.

So sehr ich auch verstehen konnte, dass sie nicht so gerne mit einem Oldie durch die Gegend fahren wollte ~ ich hätte sicher mit zwanzig auch keinen Bock dazu gehabt und dankend abgelehnt ~ so sehr passte diese Aussage zum Berg meiner gesammelten Australien-Frustrationen und erhöhte ihn auf ein unerträgliches Maß. In diesem Moment hatte ich die Schnauze so was von voll, dass ich aus dem Stand beschloss, nun wirklich und endgültig den Rückwärtsgang einzulegen, und zwar gründlich und direkt. Ohne noch über Los zu gehen, bzw. ohne noch diverse Länder anzusteuern, sondern mit dem Flieger direkt nach Deutschland zurück zu kehren. Peng, fertig, aus und gesagt, getan Und so verbrachte ich die nächsten drei Tage Stunde um Stunde im Internet, um nach passenden, vor allem günstigen Flügen zu suchen. Und hier half mir dann der Tip eines Engländers, der mir von seinem Kumpel erzählte, der es geschaft hatte, von Darwin nach London für unter 400 Euro zu fliegen. Ich hatte bis dahin nur Oneway Tickets für 800 oder mehr Euro finden können und dabei war es egal, ob ich gleich nach Deutschland oder über England fliegen wollte.

Dem Tip entsprechend galt es, als erstes einen der australischen Billigflieger, wie Jetstar, Virgin Blue o.ä. nach Singapur zu finden und von dort mit einem Air Asia Ticket nach London und dann weiter mit einer unserer preisgünstigen Gesellschaften nach Düsseldorf, Münster, Paderborn oder sonst wohin zu fliegen. Die Suche hatte direkt auf den Websites der Fluggesellschaften zu erfolgen und nicht bei flightcenter, Iwantthatflight, webjet o.ä. Denn dort war jedes Ticket zwar auch noch günstig, aber durch Provisionen o.ä. teurer, wie ich auch zuvor schon einige Male herausgefunden hatte. Allerdings ist diese Suche etwas mühsamer, da man sich bei jeder Gesellschaft durch die einzelnen Tage klicken muss, um wirklich das günstigste Ticket zu finden. Daher braucht es auch ein paar Tage Vorlauf, weil ein Flug am selben oder nächsten Tag immer der teurere ist, wenn man nicht gerade ein „last minute“ Angebot erwischt. Außerdem muss man das Vertrauen in sich haben, dass man den Flug auch antreten wird, da sich diese günstigen Tickets nicht umbuchen, stornieren und rückerstatten lassen.

Nach drei Tagen hatte ich dann reisebüromäßig meinen Flugplan + Tickets in der Tasche, bzw. auf meinem Notebook. Und suma sumarum ~ incl. aller Gebühren, einer online gebuchten Mahlzeit, Zuschlag für zu wenig gebuchte 7 Kilogramm Gepäck, einer nicht gewollten, unabsichtlich abgeschlossenen Versicherung ~ wurde meine Kreditkarte dann mit 483 Euro belastet. Tja, und schon ein paar Tage später, am Sa. dem 25. July Anno 2009 ging mein Flieger um 16 Uhr nach Singapur. Zuvor war zwar noch der Shuttlebus zum Airport fällig, aber dann verschwanden Darwin und Australien unter mir, und ich war auf meiner ganzen Reise nie erleichterter, einen weiteren Abschnitt abgehakt zu haben. Zugleich aber war ich gespannt ~ und die Spannung wuchs von Flugkilometer zu Flugkilometer ~ wie es sein würde, wenn ich wieder in Singapur landen würde und damit auch in Asien.

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