Great Ocean Road to Alice Springs
Etappe 68 ~ von Mi. 17.06. bis So. 05.07.2009
Tja, was soll ich sagen, Melbourne empfing mich tatsächlich mit Wärmegraden, wie ich sie die letzten zweieinhalb Wochen nicht mehr erlebt hatte. Ich kam mit meiner Fleecejacke + Windjacke völlig overdressed dort an und erlebte seit langem mal wieder so etwas wie Schweißausbrüche, während sich die Melbourner über die Kälte beklagten. Wenn ich das von jemandem zu hören bekam, habe ich die Empfehlung ausgesprochen, dass sie doch mal kurz nach Tassie fliegen sollten, um zu wissen, wie gut sie es hier bei und mit diesen Temperaturen haben.
Aber gut hatte auch ich es dieses Mal in dieser Stadt. Denn inzwischen hatte sich die Not gewandelt, eine nette Unterkunft zu finden. Der Hype war vorbei, und ich hatte problemlos ein Bett in meinem Wunsch-Hostel, dem Greenhouse Backpackers bekommen. Und genauso hätte ich eins in der YHA bekommen können. Aber sie lag mir einfach zu weit vom Schuss. Fast soweit vom Schuss, wie auch noch die Great Ocean Road, der ich ja folgen wollte, um nach Adelaide zu gelangen. Ich hatte mir auf Grund meiner bisherigen mageren Lift-such-Erfahrungen vorgenommen, sie ganz langsam mit den Zügen und Bussen von V-Link abzuklappern und in den Hostels und YHA's in Lorne, Apollo Bay, Port Campbell, Warrambool und Port Fairy, aber auch möglichst bei ein paar Servas Leuten zu übernachten. Wobei mich eine Adresse besonders anlachte, da es eine Lavendel Farm war. Was sicher interessant geworden wäre, wenn ich denn den Versuch einer Einladung erfolgreich hätte starten können. Aber auch ohne würde es mir diese Fahrt mit lokalen Bussen ~ die es ja ansonsten kaum in Australien gibt ~ auf jeden Fall deutlich besser gefallen, als in einer 10-stündigen und teuren Nachtfahrt mit dem Greyhound an mein Etappenziel Adelaide zu gelangen.
Trotz aller bisherigen negativen Erfahrungen, spielte ich natürlich parallel zu diesen Überlegungen erneut das „I-am-looking-for-a-lift-Spiel“ und befreite außerdem Wendy von meinen bei ihr geparkten Klamotten und aß mit ihr die versprochene Pizza für das Bringen zum Flughafen. Und hatte vor, vielleicht noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit anzuschauen, die ich zuvor noch nicht geschafft hatte. Das aber klappte nicht mehr, denn oh Wunder, schneller als gedacht, bekam ich zum ersten Mal mit einem richtigen Lift, so dass mein minutiös ausgetüftelter Great Ocean Road Plan nicht zur Ausführung kam. Und der hörte sich auch noch richtig gut an. Gareth, ein Engländer mit eigenem Auto, hatte sich auf meinen Zettel am Message-Board gemeldet. Und da wir uns schnell einig wurden, ließ ich meinen Plan gerne wieder fallen. Allerdings habe ich mich im Nachhinein einige Male gefragt, ob ich nicht besser mit meinem Plan gefahren wäre. Zwar nicht kostensparender, aber sicher zufriedener. Dabei fing doch alles ganz prima an. Aber dann ...
Gareth hatte es, genau wie ich, nicht eilig und wollte den Trip in genüsslich langsamen 5 bis 6 Tagen machen. Wobei meine eigene Planung seiner sehr nahe kam. Er hatte sogar vor, von Adelaide weiter nach Perth zu fahren. Was mir natürlich gut gefallen würde. Aber erst einmal wollten wir am Samstag, den 20.06. um 8 Uhr los und dann schauen, wohin und wie weit es uns führte. Leider kippte er dann am Vorabend mit seinem Kumpel einige Bierchen zu viel, und ich bekam dann gegen 23 Uhr noch eine typische Trunkenheitsmail mit vertauschten Buchstaben usw. Recht lustig zu lesen, auch wenn der Inhalt nicht ganz so lustig war. Denn nun sollte es nicht mehr um 8, sondern um 10 Uhr los gehen. Tatsächlich kam er aber dann erst gegen 11, und wir waren plötzlich auch nicht mehr zu zweit, sondern zu dritt, da sich Mike, sein Kumpel, während ihres Gelages entschlossen hatte, auch mit nach Adelaide zu kommen. Dagegen wäre ja auch nichts einzuwenden gewesen, denn auf diese Weise würden die Kosten halt gedrittelt, was ja durchaus in meinem Sinn war. Der Haken dabei war, dass Mike seinen Rückflug für Montag gebucht hatte, so dass unser gemütlicher 5 oder 6-Tagestrip damit ganz plötzlich auf 3 Tage schrumpfte, und wir jeden Tag im Schnitt rund 400 Kilometer zu fahren gehabt hätten. Wobei wir die ersten beiden Tage allerdings weniger auf dem Tacho hatten und dafür dann am letzten Tag fast 700 Kilometer knattern mussten, die wir zum Schluss nur noch mit deutlicher Geschwindigkeitsüberschreitung ~ 130, statt der erlaubten 100 ~ schafften, um so halbwegs zeitgerecht die YHA in Robe zu erreichen, in der wir Gott sei Dank unsere Betten per Handy vor gebucht hatten. Sonst hätten wir etwas alt ausgesehen. Hinzu kam, dass diese Situation, zusammen mit 2 Engländern, sich ähnlich gestaltete, wie damals mit den 4 Engländern in der Gobi. Auch diese beiden schafften es nicht, auf jemanden wie mich sprachlich Rücksicht zu nehmen, so dass ich meistens in meinem eigenen Film war. Nur mit Gareth allein hätte das sicher anders ausgesehen und hatte es ja auch, als wir uns über unsere Fahrt unterhielten. Da konnte er langsam und so reden, dass ich ihn trotz seines Akzents verstand. Nun denn, es ließ sich nun mal nicht mehr ändern.
Genauso, wie es sich auch nicht ändern ließ, dass ich der Great Ocean Road einfach nicht das abgewinnen konnte, was überall so großartig und spektakulär beschrieben wird. Abgesehen von den Twelve Apostels, die wirklich beeindruckend waren. Zumal wir bei super Wetter dort waren und nicht ~ wie am Tag zuvor ~ bei grauem Himmel und Regen. Wie schon an anderer Stelle gesagt, habe ich an anderen Orten ebenfalls schöne Strände gesehen. Oft genug sogar schöner und aufregender. Kein Grund also, in die allgemeine Begeisterung lautstark einzustimmen. Die Strände der Great Ocean Road waren schön, besonders für Surfer, wenn denn genügend Wind entsprechende Wellen produzierte, aber das war's dann auch. Und da wir aus Zeitmangel, bedingt durch die Reduzierung auf 3 Tage nicht all die Dinge ansteuern konnten, die wir bei 5 oder 6 Tagen hätten sehen können, mag mir / uns das eine oder andere durchaus entgangen sein. C'est la vie. Immerhin haben wir aber in zwei YHA's genächtigt, die im positivsten Sinne aus dem Rahmen fielen. Und zwar in Apollo Bay und in Robe, die in meinem Plan gar nicht auftauchte. Die erstere war ein neues modernes heutiges und großzügiges Gebäude, bei dessen Erbauung sehr darauf geachtet wurde, dass es den Gästen gefällt ~ zumindest solchen wie mir ~ und dass es ihnen dort gut geht. Die andere war in einem riesigen alten Gemäuer aus Natursteinblöcken im Landhausstil untergebracht, in dem man jeden Moment meinte, dass einem der Butler gleich den Tee oder den Kaffee servieren würde. Beide große Klasse. Sogar die alten Klingelvorrichtungen waren noch vorhanden. Und der australische „Herbergsvater“ ~ selbst ein viel gereister Mann ~ hatte reichlich zu erzählen und bannte jeden Gast mit dessen Erlaubnis auf seine Memory Card, druckte das Bild später aus und tapezierte mit diesen Fotos die reichlich vorhandenen Wände.
Aber auch die YHA in Adelaide brauchte sich nicht zu verstecken. Sie ist ebenfalls großzügig gestaltet und bot ~ als „winter special“ ~ jeden Morgen Pfannkuchen auf Kosten des Hauses an, freien Reis und Tee + Kaffee. Den einzigen Haken, den sie hatte, war die Tatsache, dass der preisgünstigste „eight bed mixed dorm“ nur den jüngeren Reisenden überlassen wurde. Als inzwischen 66-jähriger hatte ich keine Chance, dort ein Bett zu bekommen. Aber letztendlich war das auch egal, die Hauptsache war, dass alles andere stimmte, und dass es ein großes Message-Board gab, an dem ich mich verewigen konnte und an dem reichlich Angebote angepinnt waren. Denn leider hatte Gareth ~ aus welchen Gründen auch immer ~ seinen ursprünglichen Gedanken, weiter nach Perth zu fahren, geändert, so dass ich mich neben den anderen Dingen, wie die Stadt und ihre Umgebung kennen zu lernen, erneut um eine Weiterreise entweder nach Perth oder Alice Springs kümmern musste. Außerdem hatte ich auch für Adelaide die Adresse einer Deutschen im Gepäck und außerdem die E-Mail Adresse von Russel, dem interessanten Burschen aus Adelaide, den ich in Hobart im Hostel getroffen hatte. Und beide, der ausgewanderten Deutschen, sowie dem Einheimischen, wollte ich doch gerne treffen. Was aber beides leider nicht klappte. Russels E-Mail Adresse stimmte nicht, da hatte ich beim Abschreiben wohl einen Fehler eingebaut und Edith, die Schwester einer Bekannten, war unter der angegebenen Adresse nicht auffindbar. Und eine Telefon Nummer gab es anscheinend auch nicht. Jedenfalls stand die Guteste nicht im Telefonbuch. Es lief also ähnlich, wie seinerzeit in Sydney, wo meine Suche ja auch erfolglos blieb.
Mehr oder weniger erfolglos blieb aber auch hier meine Suche nach einem Lift. Es gab zwar einige überaltete Angebote und etliche Leutchen die ebenfalls suchten, aber kaum Angebote. Andere Suchende waren ja eher Mitbewerber auf diesem engen Markt. Und so überlegte ich, ob ich nicht mal ein Stück mit einem der berühmten australischen Züge, z.B. den Gahn, nach Alice fahren sollte. Aber dann ergab sich plötzlich eine Mitfahrgelegenheit mit einem Australier aus Darwin, der nach Adelaide gekommen war, um sich hier ein Auto zu kaufen, weil sie dort ~ wie er mir erzählte ~ billiger als in Darwin zu haben seien. Wie ich später noch erfahren sollte ~ und eigentlich schon ganz zu Anfang bei meiner Ankunft erfahren hatte ~ zählt Darwin ganz allgemein auf allen Gebieten zu den teuersten Städten Australiens. Und da er mir versicherte, dass er in Coober Pedy halten würde, um mich in der Opal Minen Stadt ein wenig um zu schauen ~ auch wenn ich nicht im unterirdischen Backpacker Hostel nächtigen könnte ~ ließ ich mich auf den 1530 Kilometer Trip mit ihm ein. Und wie beim ersten Mal, damals mit dem Wohnmobil, das uns ja leider nur bis ins 2000 Kilometer entfernte Winton brachte, war es für mich faszinierend, erneut durch diese schier endlose Einöde zu fahren, die das Land an dieser Stelle nun mal darstellt.
Aber zuvor wollte ich mir doch noch in der Nähe von Adelaide die älteste deutsche Siedlung in Australien anschauen, Hahndorf, das mit dem öffentlichen Bus eine Stunde Fahrzeit entfernt lag. Ursprünglich wollte ich ja einen Bogen drum herum machen, weil ich mir eine noch deutschere Stadt als zuhause nicht antun wollte. Mich gruselte es mehrmals vor den Wimpeln, Sprüchen und was es sonst alles noch geben könnte. Bayrische Gemütlichkeit und was weiß ich. Die Filmberichte, die ich damals vor meiner Abreise gesehen hatte, waren für mich ziemlich abschreckend gewesen. Aber die Neugier siegte dann doch, und ich muss gestehen, dass es dann so interessant war, dass ich es fast den ganzen Sonntag dort aushielt. Es lohnt sich also tatsächlich, dort hin zu fahren. Und das ist ausnahmsweise sogar ohne eine gebuchte Tour für 7 Dollar als Return Ticket mit dem normalen Bus möglich, wobei eine Tour natürlich ebenfalls zu haben. Halt nur zu einem Vielfachen und von einem Tourguide geführt. Aber das ist nun mal nicht meins, obwohl ich schon bereit war, mir auf diese Weise das Barossa Valley ~ die berühmte Weinecke ~ anzuschauen, denn obwohl das Valley ebenfalls mit dem Bus erreichbar war, machte das wenig Sinn, da man vom Endhaltepunkt nicht weiter kam. Also wieder einmal ein Auto benötigte oder die gebuchte Tour. Es sei denn, man gehörte zu denjenigen, die es lieben, so etwas mit dem Fahrrad zu erfahren. Aber auch das war nicht meins. Und so hieß es tschüss Barossa Valley, tschüss Adelaide, denn mir war einfach nicht nach weiteren Frustrationen, und ich war nach wie vor und immer noch auf dem Trip, dass es doch nur besser werden könnte, dass es mir irgendwie und endlich möglich sein müsste, Australien zumindest in ähnliche Form zu genießen, wie es zuvor in allen anderen Ländern möglich war. Okay, es gab auch so immer wieder die kleinen, feinen Dinge, die mich weitermachen ließen. Ob es nun die Begegnungen mit diversen Leuten an vorherigen Orten oder hier mit Juen, einem Belgier war, oder die Begegnung mit Leuten aus der adelaider Ökoszene, die ähnlich wie in Deutschland in Hannover, Bremen oder wo auch immer, ihre kleine Siedlung mitten in der Stadt gebaut hatten, umgeben von allen möglichen und unmöglichen Beispielen heutiger Bauweise, die oft am Menschen und seinen Bedürfnissen vorbeibaut, es waren die Schmankerln, die mir halfen und mit denen ich über meinen Frust reden konnte. Zumal sie oft ähnliches erlebt hatten.
Juen war z.B. auch wieder einer dieser „ver-rückten“ Vögel, wie ich sie mag, und von deren Leichtigkeit ich selber gerne noch etwas mehr hätte. Wir hatten vor, das nächste Wegstück nach Alice und Darwin möglichst zusammen mit einem oder zwei weiteren Travellern zu machen und dafür entweder einen Lift oder ein relocation car zu finden, zu trampen oder gar ein Auto zu mieten. Da sich aber keine weiteren Interessenten finden ließen ~ und auch kein wirklich preislich interessantes Auto ~ entschloss er sich kurzerhand nach Kanguru Island zu gehen und dort als Volunteer Bäume zu pflanzen. Auch gut, obwohl das Angebot nur für einen galt, denn sonst hätte ich glatt mit gemacht, da das eine gute Möglichkeit gewesen wäre, auch diese Insel kennen zu lernen. So war auch das ein Ding mit X, nämlich nix. Und ich war heilfroh, dass dieses Liftangebot von Anthony, dem Australier, mir weitere mehr oder weniger krampfhafte Bemühungen ersparte. Auman, was hatte ich die Faxen langsam dicke. Und so knatterten wir dann ein wenig überstürzt noch am gleichen Tag gegen Mittag los und hatten schon bald Adelaide hinter uns gelassen, um dem Stuart Highway gen Norden Richtung Coober Pedy und Alice Springs zu folgen. Kilometer um Kilometer durch ein Nichts, mit wenigen Autos aber reichlich „roadkill“ ~ überfahrene Kängurus, Wallabys, hin und wieder eine Kuh ~ links und rechts der Straße. Plus der Krähen und Adler, für die der Tisch in den frühen Abendstunden, jede Nacht und in den frühen Morgenstunden immer wieder reichlich gedeckt wurde. Wenn auch Gott sei Dank nicht durch uns. Erwischt wurden die Tiere wohl meistens durch die ewig langen Road Trains, die über 50 Meter langen LKW's mit 3 oder 4 Anhängern und riesigen Kuhfängern vorne weg. Diese Geschosse denken gar nicht daran, für ein Tier zu bremsen und können es auch nicht, ohne den Fahrer und den gesamten Truck in Gefahr zu bringen. Und wenn man sich vorstellt, dass die Dinger ~ je nach Bundesland ~ mit 100 bis 130 unterwegs sind, bekommt man vielleicht eine Vorstellung davon, welche Massen mit welcher Power da durch die Gegend rauschen, auch wenn man so ein Gefährt noch nie gesehen hat. Das so ein Road Train oft genug auch selber auf der Strecke bleibt, zeigen die vielen Unfallfotos an den Wänden der Roadhouses. Das reinste Gruselkabinet, lässt sich dazu nur sagen.
Wir verließen dann irgendwann am frühen Abend ohne besondere Vorkommnisse den Highway und erreichten abseits der Straße den winzigen Ort Pimba ~ was sich für mich sehr afrikanisch anhörte ~ unsere erste Station, wo wir übernachten wollten. Anthony, als Kenner dieser Strecke, steuerte das dortige Spud's Roadhouse an und wir bekamen für 78 Dollar einen 4 Bett Bungalow, der aus einem ehemaligen Container bestand, aber alles beinhaltete, was man so braucht. Angefangen beim Bad mit Badetüchern, Seife usw. + Kühlschrank, + Kaffee + Milch + Heißwassergerät. Mit 38 Dollar pro Nase sei das deutlich günstiger, als die kleinen Hotels direkt an der Straße, meinte mein Lift-Geber. Was ich ihm gerne glaubte. Zu futtern und zu trinken gab es hier auch, und da stellte sich dann heraus, dass Anthony innerhalb kürzester Zeit 6 Flaschen Bier runter schütten konnte. Die nicht mit gerechnet, die ich später im Zimmer nicht mehr bemerkte, weil unser Container 2 Zimmer, und somit jeder sein eigenes hatte.
Wir hatten ausgemacht, dass wir am nächsten Morgen gegen 5 Uhr wieder los wollten, sind dann allerdings bereits um 3 Uhr 30 aufgebrochen, weil mein australischer Travel Mate nicht mehr schlafen konnte und mich durch seine wahrscheinlich beabsichtigten Störgeräusche weckte. Was mir aber ganz gut passte, da wir auf diese Weise früher in Alice Springs sein würden, auch wenn wir erst einmal im Dunkeln fahren mussten und so mit all den Viechern zu rechnen hatten, die über die Straße hüpfen oder laufen wollten. Da Anthony selber fuhr, lag es bei ihm, eine angemessene Geschwindigkeit zu wählen, wobei für ihn 130 passend waren. Nach einem kurzen innerlichen Oh, Oh, fiel mir dann ein, dass ich meistens bei uns in Deutschland genauso schnell oder gar schneller durch wildreiche Gegenden gefahren bin, und das Oh, Oh verstummte. Denn bei mir war es immer gut gegangen. Also würde das auch hier so ein. Und es ging gut. Wir sahen nicht einen der kleineren oder größeren Hüpfer oder gar eine Kuh, die unbedingt auf die andere Straßenseite wollten. Und dann ging auch schon die Sonne auf und bald darauf erreichten wir Coober Pedy.
Trotz der frühen Morgenstunden war die unterirdische Kirche und das unterirdische Hostel geöffnet, so dass ich mich zumindest dem speziellen Feeling aussetzen konnte, das es nun mal erzeugt, wenn man sich in unterirdischen Räumen befindet, die eben nicht mehr dem Abbau von Gestein und finden von Opalen dienen, sondern kirchlich, wohnlich und hostelmäßig gestaltet sind. Und dabei den rauhen Charme eines Bergwerkstollens behalten haben. Überall in den Wänden glitzerten im Schein der Lampen noch Bruchstücke von wahrscheinlich nicht sehr wertvollen Opalen. Man hätte sie sicher heraus gepickt, wenn sich die Mühe denn gelohnt hätte. Es fehlten nur noch die sieben Zwerge, die aus irgendeinem Stollen auftauchten, um Feierabend zu machen, sich ihr Süppchen zu kochen und später dann in ihre Betten zu kriechen und mit Schneewittchen ihren Spaß zu haben. Und genau das, läuft hier ab, wenn vermutlich auch ohne Schneewittchen. Es gibt in Coober Pedy Opal Sucher ~ es soll sogar einen aus Deutschland geben ~ die in ihren Stollen leben, weil insbes. im Sommer hier die Temperaturen hier auf 50 und mehr Grad klettern können. Und dann ist es unterirdisch halt angenehm kühl. So einen Wohn-Schacht hätte ich am Black Saturday in Melbourne mit seinen 48 Grad auch gerne gehabt.
Die gesamte Gegend um die Stadt sah aus, als hätten riesige Maulwürfe ihre Gänge gegraben und ihre typischen Haufen überall verteilt. Wobei diese nicht aus brauner Erde bestanden, sondern aus rötlichem Gestein. Und überall standen Warnschilder herum, dass man nicht einfach so durch die Gegend laufen solle, weil keiner der unzähligen Schächte auch nur die geringste Absicherung hatte. Wer hier herum läuft und in so einen Schacht stürzt, hätte eine gute Chance, nicht gefunden zu werden, vor allem, wenn dort nicht mehr gebuddelt wird. Weiter außerhalb gab es schier endlos neue Felder, die bereits abgesteckt und mit Claim Schildern + Nummern versehen waren. Hier werden irgendwann in der nächsten Zeit weitere Löcher gebuddelt.
Bei einem Stopp relativ kurz vor Alice ~ auf einer Kamelfarm mit Tankstelle + Raststätte ~ konnte mein Australier nicht länger auf seine persönliche Endrunde warten. Er kam nämlich nach dem Tanken und Bezahlen mit der klassischen Papiertüte zurück, in der alle trinkfreudigen in Australien oder Amerika ~ und vielleicht auch in anderen Ländern ~ ihre Alkoholika zu verstecken versuchen, obwohl jeder weiß, was diese Tüten enthalten. Dachte ich zuerst noch, dass es sich um Vorsorge für unsere Ankunft handelte, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Denn kaum dass er wieder hinter dem Steuer saß, setzte er die erste Flasche an den Hals und trank sie fast in einem Zug aus. Mein Protest und meine Bitte, mich die letzten 250 Kilometer fahren zu lassen, wurden mit den typischen bescheuerten Säufer-Macho-Sprüchen kommentiert, die auf keinen Fall zu ließen, dass ich das Steuer übernehmen würde. Dabei wäre er seinen Schein bei einer Kontrolle sofort los gewesen, da Alkohol am Steuer in Australien sofortiges Fahrverbot bedingt. Trotzdem folgte gleich die zweite Flasche und dann die dritte. Worauf der Vorrat zu meiner Erleichterung erschöpft und mir klar war, dass ich nicht mit ihm weiter nach Darwin fahren würde, selbst wenn er die kompletten Benzinkosten übernähme. Anschließend landete dann noch alles mit weitem Schwung im Outback, zwar nur am Straßenrand, aber selbst in Australien ist man inzwischen so weit, dass Schilder darauf hinweisen, seinen eigenen Müll doch bitte nicht so zu deponieren.
Alice ~ die Stadt am meistens trockenen Todd River, hier kommen im Jahr normalerweise gerade mal 290 Millimeter Niederschlag runter ~ ist von Anfang an eine weit vom Geschehen entfernte Außenstation gewesen und ist es irgendwie auch heute noch. Wobei die alte Telegrafenstation und das Wasserloch, das Alice Springs nach der Frau des ersten Telegraphisten getauft wurde, ein paar Kilometer außerhalb der heutigen Stadt liegen. Aber auf den alten Fotos ist zu sehen, dass es damals immerhin dort soviel Wasser gab, dass die Menschen dort baden und von den Felsen kopfüber ins kühle Nass springen konnten. Heute starten von Alicet viele Outback Trips und die Fahrten zum Uluru (Ayers Rock), den Olgas (Kata Tjuta) und zum Kings Canyon. Und wenn es hier richtig regnet, bleibt kein Auge trocken und es kommen Kubikmeter pro Sekunde herunter und es kann passieren, wie zum letzten Mal in den späten Achtzigern, dass alles meterhoch unter Wasser steht und / oder auch komplett weg gespült wird.
Von der YHA aus waren es nur ein paar Meter bis zum River und es war schon ein seltsames Gefühl, durch das Flussbett zu laufen und statt Wasser, Sand zwischen den Zehen zu spüren. An meinem vorletzten Tag in Alice habe ich sogar 3 oder 4 Regentropfen pro Quadratmeter zählen können, ansonsten war der Winter hier schöner als bei uns im allgemeinen der Sommer. Abends, nachts und morgens war es kalt, so dass meine Fleecejacke + Socken + angezipte Hosenbeine durchaus als Kleidungstücke in die enge Wahl kamen. Aber ca. ab 10 Uhr war das alles überflüssig, denn dann stieg die Tagestemperatur langsam aber sicher auf 26 oder 28 Grad. Für mich bereits ausreichend, um Sonnenschutzcreme + Schlapphut wieder zum Einsatz kommen zu lassen.
Zuerst sah es auch in Alice so aus, als wenn meine Lift Suche zum Uluru usw. erfolglos bleiben würde. Aber dann meldeten sich auf einen Schlag drei Leutchen auf meinen Zettel. PJ = Pieter-Jan, ein junger Holländer (21), und Amelia (26) und Margret (29) aus Hongkong. Die drei waren schon ein Stück zusammen gereist und stellten es sich auch vor, dass es besser und interessanter sei, mit einem Auto durch die Gegend zu fahren, statt mit dem Bus. Und da die Chemie stimmte, suchten wir nach einem geeigneten Auto, bzw. einer geeigneten Vermietungsfirma. Leider war mal wieder irgendein „public holiday“ + Wochenende, so dass jede Agentur müde lächelnd abwinkte und uns auf Tage später vertröstete. Auch die Preise hatten es in sich. Und beinahe wäre unsere gute Idee an diesen Hürden schon wieder gestorben, als Amelia auf den Gedanken kam, dass wir doch mal bei der Touristen Information nachfragen sollten. Tja, was soll ich sagen? Es war kaum zu glauben, aber dort fand man bei Hertz für uns ein Auto für den nächsten Tag, wo wir doch nur wenige Minuten zuvor vertröstet wurden und das auch noch zu entschieden besseren Konditionen. Als hätte diese Institution ein besonderes oder eigenes Kontingent. Waren wir zuvor bei unseren Anfragen von einem Wagen in der Größe eines Toyota Starlets o.ä. ausgegangen ~ weil so ein kleiner Wagen halt der günstigste in den Flotte war ~ bekamen wir jetzt einen großen Toyota Camry angeboten und das sogar noch etwas unter dem Preis, den wir ursprünglich für den Kleinwagen zahlen sollten. Außerdem gab es nun „unlimited kilometres“ , während wir bei Hertz selber und allen anderen Firmen jeden Tag nur 100 Kilometer frei hatten. Wir haben dann gaaaanz schnell zugeschlagen, verzichteten nach (m)einer kleinen, aber feinen Versicherungsberatung auf den Abschluss einer Zusatzversicherung, die jeder Autovermieter seinen Kunden gerne aufschwatzt und bezahlten für unsere Reiselimousine für 6 Tage auf diese Weise gerade mal 464 Dollar, zusätzlich der Spritkosten. Und so waren es dann zum Schluss für jeden von uns etwas um die 160 Dollar. Für diesen Betrag waren wir frei, konnten hinfahren, wohin wir wollten und wann. Ein kleines Beispiel aus der Zukunft soll das zeigen. Um das „Valley of Wind“ und den Sonnenaufgang bei den Olgas (Kata Tjuta) zu erleben, sind wir reichlich früh los gegurkt und haben dann nur andächtig den spektakulärsten Sonnenaufgang bestaunen können, den es für jeden von uns bis zu dem Zeitpunkt zu bestaunen gab. Erst eine halbe Stunde später kam dann der erste Tour Bus, genau passend, um nichts mehr davon mit zu kriegen. Alles klar? Okay, die Teilnehmer hatten wahrscheinlich keine Ahnung, was ihnen trotz der vielen Dollar, die sie bezahlt hatten, entgangen war. Aber genau das ist es, was auf jeder gebuchten Tour zwangsweise immer wieder passieren wird / muss. Du bist einfach unbeweglich in das Korsett der Busgesellschaft gezwängt. Und dieses Korsett ist dann im günstigsten Fall hier in Alice für knapp 300 Dollar zu haben.
Für mich hatte Australien jedenfalls kaum etwas Besseres zu bieten, als mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein. Das wäre allenfalls noch durch einen Campervan ~ und den am besten mit 4WD ~ zu toppen, um so richtig ins Outback fahren zu können.
Fast hätte ich kurz zuvor sogar so ein Angebot von einem Australier angenommen. Er wollte mit seinem Geländewagen + entsprechender Ausrüstung die ca. 4600 Kilometer von Alice nach Perth quer durchs Outback fahren und suchte dafür einen Mitfahrer mit „driving license“. Ein reizvolles Unterfangen, das mich mächtig lockte, aber der Bursche hatte den Ehrgeiz, diese Riesenstrecke über die endlosen Holperpisten in 5 Tagen zu erledigen. Als ich das erfuhr, entwickelte sich der Trip zu einem Ding, das mich nicht mehr reizte. Nur gut, dass ich diese Rallye Alice / Perth abgesagt hatte, mir wären sonst die 6 Tage mit Amelia, Margret und PJ entgangen. Und diese Zeit ist nun die Zeit, die ich am wenigsten missen möchte, von meiner gesamten Australien-Zeit. Es war einfach wunder-, wunderschön, interessant und lustig und hatte alle Qualitäten, die ich mir für meine gesamte Australien-Zeit gewünscht, aber nicht bekommen habe. Und ich hätte etwas darum gegeben, wenn wir in dieser Besatzung hätten weiterreisen können. Da gab es von Anfang an das Empfinden, als würden wir uns schon lange kennen, konnten entsprechend rumblödeln ~ ein ganz wichtiger Faktor ~ miteinander lachen oder ernst sein, um die Dinge zu entscheiden, die es nun mal auch in einer Vierer-Gruppe zu entscheiden gibt. Alles so, wie es gebraucht wurde, auf unserem Round-Trip von Alice to Alice.
