Gorkhi-Terelj National Park
Von So. 21.10. bis Mo. 22.10.2007
Tja, da saß ich nun mit 4 weiteren Leutchen aus dem Hostel (einer Polin, einem Argenti
nier, einem Japaner und einem Franzosen) in einem Minibus und fuhr in Richtung dieses ca. 2 Autostunden entfernten Nationalpark Parks. Hiesige Autostunden, bei hiesigen Straßen- und Verkehrsverhältnissen wohlgemerkt. An Gepäck nur das nötigste dabei, was halt für eine Übernachtung in einer Jurte ~ landestypisch Ger genannt ~ benötigen werden würde. Den Empfehlungen nach musste es genügend Wasser sein, da man aus verschiedenen Gründen viel Durst bekäme. Zum einen, weil die Luft sehr trocken sei und zum anderen die Jurte fürchterlich aufgeheizt würde, um der nächtlichen Kälte zu trotzen, was wiederum ebenfalls hochgradig Durst erzeugend sei. Dann wurde dazu geraten, kleine zusätzliche Snacks dabei zu haben, da die Luft und die viele Bewegung hungrig machten und das Essen im Camp nicht gerade reichlich bemessen sei. Und das Wichtigste, einen warmen Schlafsack + warme Klamotten.
Na ja, speziell dafür hatte ich ja bei meinem Einkaufsbummel gesorgt und meine entzückenden blauen Langen waren natürlich auch mit von der Partie. Den warmen Schlafsack stellte das Hostel, womit meiner Expedition nichts mehr im Wege stand.
Über abenteuerliche Straßen, mit ebenso abenteuerlichem Fahrstil ~ wie gut, dass mir so etwas nicht die Ruhe rauben konnte, sondern, wie schon immer, eine Art Bewunderung für etwas in mir hervorrief, was in unserem guten, aber alten Deutschland (fast) alle ganz laut nach Zucht & Ordnung rufen ließe ~ näherten wir uns dem Ziel. Wobei wir unterwegs an Mongolen mit zwei Adlern vorbei kamen, aber leider nicht anhielten, da es auch hier in Mongolia für unseren Trip so etwas wie einen Zeitplan gab.
Als wir dann kurze
Zeit später die befestigte Straße verließen und einem Weg ins Gelände folgten, wurde klar, dass wir uns unserem Ziel näherten. Und richtig genug, bald tauchten vor einer imposanten Felsenkulisse ein paar Jurten oder Ger auf ~ wie sie hier genannt werden ~ von denen eine unser Zuhause sein sollte. Freilaufende Pferde, Ziegen, Kühe und Schafe rundeten das Bild ab. Und natürlich unsere Gastfamilie, die uns begrüßte und gleich ein wärmendes Feuerchen in dem Ofen unserer Jurte entfachte und eine Riesenthermoskanne mit Tee anschleppte. Beides tat gut, denn hier war es jetzt, zur Mittagszeit schon deutlich kälter, als in der Stadt. Aber noch gut aushaltbar.
Und danach ging's erst mal auf Erkundungsgang in die Gegend, die beeindruckender kaum sein konnte, um anschließend unser Mittagessen, ein Reisgericht mit Fleisch- und Gemüsestückchen zu verspeisen. Danach waren 2 Stunden Horseriding mit dem Sohn der Familie auf den mongolischen Pferdchen angesagt, die in der Optik und vom Stockmaß her den Isländern glichen, nur völlig anders geritten werden wollten, was von uns natürlich niemand hinbekam. Das Einzige, was auch bei diesen Pferden funktionierte, war das Lenken durch anlegen des Zügels an den Hals des Pferdes, wie beim Westernreiten. Aber auf alle anderen Hilfen reagierte das Tier nicht. Ich bekam es nur ein oder zweimal ~ wohl mehr zufällig, als gekonnt ~ in einen müden Trab. Galopp oder gar Tölt ~ den diese ursprünglichen Pferde auch drauf haben, wie zu sehen war, wenn ein Einheimischer mit seinem Pferd durch die Gegend ritt ~ war gar nicht drin und speziell ersteres wäre wahrscheinlich von unserem Guide auch nicht gerne gesehen worden. Na ja, trotzdem hat es Spaß gemacht, auf dem Rücken eines mongolischen Pferdes durch die Landschaft zu ziehen.
Unser Ger war schon ein interessantes Gebilde, das ich ja bisher nur aus Filmen kannte. Mit einer niedrigen Eingangstür versehen ~ die geradezu zum Kopfanstoßen einlud ~ und mit Betten, ein wenig Schrankraum in Kommodenform und einem einfachen Ofen ausstaffiert. Die Kuppel bestand aus einem radähnlichen Gebilde, das in seinen Speichen teilweise Glaseinsätze enthielt und somit für Tageslicht sorgte. Der Rest war offen, aber mit einer Filzmatte abgedeckt, die sich bei Bedarf auch über das Glas ziehen lässt, um den Wärmeverlust zu verringern.
So lange wir uns im Ger aufhielten wurde gebeutet, was der Ofen hergab. Was bedeutete, dass es für mich wieder einmal viel zu heiß war. Selbst als es ans Schlafen gehen sollte, tauchte kurz vorher die Frau der Jurten noch einmal auf und füllte den Ofen erneut randvoll. Was für mich die Konsequenz hatte, nur leicht bekleidet und erst einmal ohne Zudecke den Einschlafversuch zu starten. Später, als das Feuer dann ausgebrannt war, und die Kälte der Nacht langsam in unser Ger kroch, bin ich dann aber auch in den Schlafsack gekrochen.
Ein leider notwendiges Übe
l ~ besser eine notdürftige Gegebenheit ~ war das nächtliche Aufwachen, verbunden mit dem Wunsch zur Toilette zu gehen. Die gab es zwar, nur nicht in der Nähe der Jurte und schon gar nicht in ihr. Es war ein Bretterhäuschen mit einem Spalt im Fußboden, über den man sich hockte, wenn man bereit war, dies Art Toilette für sich zu akzeptieren. Aber egal ob ja oder nein, es hieß immer, hinaus in die Nacht mit ihrer Kälte und einem Sternenhimmel, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen hatte. Und einer Stille, die, wie jemand mal geschrieben hat, hörbar wurde. Aber das nicht nur nachts, sondern auch am Tag. Wenn ich mich nicht bewegte und kein Wind ging, war absolut nichts, aber auch gar nichts zu hören. Saaaagenhaft. Jedenfalls kam ich mir dann in der Kulisse dieses Nationalparks so richtig klein und unscheinbar vor.
Und dann gings am nächsten Morgen nach einem Frühstück, das aus Brot + Butter + Tee bestand, auch schon wieder zurück in die sogen. Zivilisation nach Ulan Bartor.
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