Das Elemente-Gebet ~ von Kurt Tepperwein
Erde
Lass mich sein, wie die Erde ist. Von Anbeginn der Zeit ist alles gestorben und zur Erde geworden, und doch ist die Erde die Mutter allen Lebens. Die Erde fragt nicht, ob der, der sät, gerecht oder ungerecht ist. Sie nimmt an, gibt Kraft, sie lässt gedeihen und wachsen. Lass mich sein, wie die Erde ist, lass mich wie die Erde annehmen, wo man mir gibt und tausendfach zurückgeben, was ich bekommen habe. Die Erde ist verwandelbar, sie ändert sich Stunde um Stunde, Tag um Tag und bleibt doch gleich. Die Einsamkeit der Wüste und der Berge schafft Abstand zu den lärmenden und glitzernden Dingen dieser Welt und gibt Klarheit und Ruhe. Lass mich sein, wie die Erde ist ~ klar und ruhig. Lass mich verwandelbar sein, wie die Erde ist.
Wasser
Lass mich sein, wie das Wasser ist. Wasser ist völlig widerstandslos und überwindet doch den größten Widerstand. Wie immer die Gestalt eines Gewässers auch sein mag, das Wasser passt sich dieser Form an, und doch formt nichts anderes so intensiv wie das Wasser, denn es war das Wasser, das den Kontinenten die Form gab. Wasser arbeitet, aber es strengt sich niemals an. Es kann eine Mühle antreiben oder eine Stadt erleuchten, aber es wird niemals müde. Wasser ist farblos. Aber was ist ein Regenbogen anderes als Wasser? Wasser ist geschmacklos, aber ohne Wasser würde nichts schmecken. Wasser lehrt, was Demut ist, denn es sammelt sich stets am niedrigsten Punkt, und doch beugt sich selbst der Mächtigste zu ihm herab, um zu trinken. Lass mich sein, wie das Wasser ist, so formbar und so formend.
Luft
Lass mich sein, wie die Luft ist. Lass mich so wie die Luft eine tragende Kraft sein. Die Kraft, die die Mücke so sicher trägt wie den Adler. Ohne Mühe erreicht sie den höchsten Berggipfel, bewegt die Zweige einer Linde als Abendwind oder verwandelt als Sturm die Erde. Und immer bleibt sie unsichtbar und vollbringt doch stets ihr Werk. Die Luft gibt ohne Preis und versagt sich nie, ist niemals erschöpft und füllt doch jede Leere aus. Luft ist der Atem des Lebens, denn ohne sie ist kein Leben möglich. Lass mich sein, wie die Luft ist, die Luft, die durch nichts begrenzt ist, lass mich überall sein, wo ich gebraucht werde, und mein Werk tun, ohne auf Dank zu achten.
Feuer
Lass mich sein, wie das Feuer ist. Feuer verwandelt alles, was es berührt. Lass mich wie das läuternde Feuer alles Unreine in mir verbrennen, damit das Reine hervorscheinen kann. Das Licht meines Denkens soll leuchten wie ein Feuer und die Liebe meines Herzens strahlen wie Feuer. Lass in mir das ewige Feuer der Liebe brennen, lass alles, was ich berühre, in Liebe leuchten. Lass mich mein Herz und die Herzen der anderen entzünden mit dem Feuer der Liebe, und lass dieses Feuer immer weiter um sich greifen und die ganze Welt erleuchten. Lass mich sein, wie das Feuer ist, lass in mir den Wunsch brennen, zu mir zu finden. Lass mich leuchten im Feuer der Liebe, das alles entzündet und alles verwandelt in Liebe. Lass mich sein, wie das Feuer ist.
Aus: Vision der Freude, Gerd B. Ziegler
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