Gebet ~ Erde
Ich war allein mit der Sonne und der Erde.
Ich legte mich ins Gras
und sprach in meinem Geist mit der Erde,
der Sonne, der Luft und dem Weitentfernten Meer.
Ich dachte an die Festigkeit der Erde.
Ich fühlte, wie sie mich trug,
durch das Grasbett spürte ich sie,
als spräche die Große Erde zu mir.
Ich dachte an die wandernde Luft,
ihre Reinheit, die ihre Schönheit ist.
Die Luft berührte mich und schenkte mir etwas von sich.
Ich sprach zum Meer.
Auch wenn es weit weg war, so sah ich es doch in Gedanken,
grün an den Rändern der Erde und blau in der Tiefe.
Ich wandte mich wieder dem blauen Himmel zu,
schaute in seine Tiefe,
atmete seine herrliche Farbe und Süße ein.
Das tiefe Blau der unerreichbaren Himmelsblume
zog meine Seele zu sich, und dort ruhte sie aus,
denn reine Farbe ist Ruhe des Herzens.
Ich betete.
Ich kehrte zurück und betete, für den süßen Thymian,
dessen kleine Blüten ich berührte.
Für das Gras, für die trockenen Erdkrumen,
die ich durch meine Finger rinnen ließ.
Ich berührte die Erdkrumen, die Grashalme,
den Thymian und atmete die erdige Luft ein,
dachte an das Meer und den Himmel und versuchte,
die Sonnenstrahlen zu erhaschen
~ bäuchlings auf der Grasnarbe liegend
als Zeichen meiner tiefen Ehrerbietung.
So betete ich.
Richard Jefferies (1848 -1887) England
